Gute Taten, Gutes Image

- Schüler der KGS Hemmingen freuen sich mit den Heyse-Mitarbeiterinnen und Malerfachbetrieb-Inhaber Matthias Schultze (rechts) über die gemeinsame Streichaktion im Rahmen des CSR-Projekts "Lust auf Schule in Hannover". Foto: Ja Media
Mit Corporate Social Responsibility setzt sich in Deutschland durch, was in den USA längst gang und gäbe ist: Soziales Engagement als Erfolgsfaktor für Unternehmen.
Die Zahlen sprechen für sich: Bei gleichem Preis und gleicher Qualität ist für knapp die Hälfte der Deutschen das Engagement für den guten Zweck bei der Entscheidung zugunsten eines Produktes ausschlaggebender als Verpackung, Innovation oder Treue zur Marke. So lautet das Ergebnis der zweiten weltweiten Konsumentenstudie, die kürzlich von der Kommunikationsagentur Edelmann veröffentlicht worden ist. Die freiwillige Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung und das damit verbundene Engagement – in der Managementsprache Corporate Social Responsibility oder kurz CSR genannt – ist deshalb bei größeren Unternehmen Baustein der Firmenstrategie.
Aus gutem Grund: CSR stärkt nicht nur die Bindung von Kunden, Partnern sowie Lieferanten, sondern verbessert die Bonitätseinschätzung nach den „Basel II“ genannten Kreditrichtlinien. Darüber hinaus wirkt sich ein hohes CSR-Engagement positiv auf das Arbeitsklima und die Loyalität der Mitarbeiter aus, sagt Olaf Mußmann, geschäftsführender Partner der gleichnamigen Gesellschaft für Organisations- und Personalentwicklung und Leiter der CSR-Arbeitsgruppe des Wirtschaftsfördervereins Pro Hannover Region (PHR). Denn CSR-Maßnahmen beschränken sich nicht allein auf soziale Wohltätigkeit und traditionelles Mäzenatentum, sondern umfassen gleichermaßen Lieferantenbeziehungen und Lieferkette, Umweltschutz, Energieeffizienz und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
„Bevor sich in den Vereinigten Staaten eine Fachkraft bei einem Unternehmen bewirbt, informiert sie sich, welcher Benefit ihr dort zusätzlich zum Gehalt geboten wird“, unterstreicht PHR-Geschäftsführerin Bärbel Jacob. Die freiberufliche IT-Projektleiterin hat mehr als 20 Jahre in den USA, dem Mutterland der CSR-Idee, gelebt und gearbeitet. Sie weiß um die Bedeutung der sogenannten weichen Faktoren wie Aus- und Weiterbildung, Kinderbetreuung oder flexible Arbeitszeiten, die hierzulande ebenfalls zum entscheidenden Faktor bei der Attraktivität von Arbeitgebern werden.
Auch in Hannover bekennen sich inzwischen viele Unternehmen zur sozialen beziehungsweise gesellschaftlichen Verantwortung. Nicht nur große Unternehmen wie die Continental AG, sondern auch kleine wie der Malerfachbetrieb Heyse aus Isernhagen. „Lust auf Schule in Hannover“ heißt das Projekt, bei dem die Räume von Bildungseinrichtungen kostenlos gestrichen werden und bei dem Malermeister Matthias Schultze beim gemeinsamen Arbeiten mit Schülern zugleich Auszubildende sucht. Der Startschuss für die Initiative ist gerade in der Kooperativen Gesamtschule Hemmingen gefallen. Gemeinsam mit einer Projektgruppe wurde dort der Werkraum gestrichen.
„Wir engagieren uns in dieser Gesellschaft mit gemeinnützigen Projekten, weil wir uns als Handwerksbetrieb auch in der Verantwortung sehen und Zeichen setzen wollen. Dabei sind wir nicht einfach nur nett zu anderen, sondern kalkulieren bewusst im Vorfeld mit dem Mehrwert eines besseren Images“, betont Schultze. „Unternehmer profitieren von CSR gleich doppelt: Sie verbessern durch gute Taten ihr Image in der Gesellschaft und erhöhen gleichzeitig ihren Bekanntheitsgrad am Markt“, bestätigt Bärbel Jacob. Denn CSR stehe auch dafür, verantwortungsvolles Handeln öffentlich zu machen.
Ein CSR-Siegel sowie der CSR-Award sollen auch die Unternehmen in der Region Hannover anspornen, regionale und internationale Aktivitäten fest und nachhaltig in ihre Managementstrategie zu verankern. Siegel und Preis, vom hiesigen Wirtschaftsförderverein PHR ins Leben gerufen, sind am Mittwoch erstmals verliehen worden. Elf Unternehmen haben ihre Projekte eingereicht, davon bekamen sieben, darunter der Malerbetrieb Heyse, für vier Jahre das CSR-Siegel verliehen. Den CSR-Award 2008 erhielt die Windwärts Energie GmbH aus Hannover für die Errichtung einer Windenergieanlage für ein Kinderferienlager in Otterndorf.
von Ute Dommel




