Vier weibliche Auszubildende – einmalig im Kammerbezirk
Das Problem: 2006 fand der Malerfachbetrieb erstmals über die üblichen Bewerbungsverfahren keine qualifizierten Auszubildenden. Zwei Stellen konnten damit nicht besetzt werden. Das ließ Matthias Schultze keine Ruhe. Der Heyse-Geschäftsführer machte zudem die Erfahrung, dass Schulzeugnisse wenig darüber aussagen, ob jemand für den Malerberuf geeignet ist oder nicht. Die Ausbildungsproblematik der Jahre 2007 und 2008 löste Matthias Schultze pfiffig über eine Frauenpower-Strategie. Von seinen aktuell fünf Auszubildenden sind vier weiblich: Hannah Falk und Nicole Klunker befinden sich im zweiten Lehrjahr; eingetreten in das Unternehmen sind sie im August 2007. Amabell Kück und Ivonne Niederhöfer komplettierten das Quartett im Oktober dieses Jahres. Das ist nach Auffassung von Dr. Sabine Wilp, Leiterin der Pressestelle der Handwerkskammer Hannover, einmalig im gesamten Kammerbezirk.

- Das macht Lust auf Schule in Hannover: Schüler der 8G2 und der 8G4 freuen sich mit den Heyse-Mitarbeitern (weiße T-Shirts) und Malerfachbetrieb-Inhaber Matthias Schultze (rechts) über die gelungene gemeinsame Arbeit in einem Werkraum der KGS Hemmingen. Bei der kostenlosen dreitägigen Streichaktion wurden vom 19. bis 21. Januar rund 135 Quadratmeter in Optimismus verbreitenden Gelb- und Grüntönen gestrichen. Foto: JaMedia
Dank Frauenpower besseres Klima auf den Baustellen
„Wir haben frühzeitig überlegt, welche Qualifikationen wir haben wollen. Das Ergebnis unserer Ansprüche ist die vermehrte Einstellung von weiblichen Auszubildenden. Sie zeigten in der vorgeschalteten Praktikumsphase eine größere Einsatzbereitschaft und ein besseres Kommunikationsverhalten beim Kunden. Zudem herrscht jetzt auf unseren Baustellen ein viel angenehmeres Klima und ein anderer Umgangston“, benennt Matthias Schultze die Vorteile des Einsatzes weiblicher Lehrlinge.
Der Malerfachbetrieb gibt bewusst älteren Auszubildenden eine Chance, da diese über eine größere Lebenserfahrung verfügen. „Diese Frauenpower sorgt mittlerweile für ein noch besseres Image unseres Unternehmens“, weiß der Geschäftsführer. „Wir sind noch sympathischer, flexibler und verlässlicher geworden.“ Aus den guten Erfahrungen des vergangenen Jahres hat Matthias Schultze in diesem Jahr bewusst nach qualifizierten weiblichen Auszubildenden mit einem Patchwork-Lebenslauf Ausschau gehalten.
Migranten sind gute Teamplayer
Auch Migranten sind bei Matthias Schultze willkommen – er schätzt ihre Leistungsbereitschaft. Mit Erhan Tüzün und Salih Yildiz hat der Malerfachbetrieb in der Vergangenheit zwei Migranten ausgebildet. Beide sind heute weiter als Facharbeiter bei Heyse tätig. „Sie sind gute Teamplayer, unterstützen die Mannschaft, und leisten sehr gute Arbeit – und bringen dadurch die Firma Heyse voran“, betont Matthias Schultze.
„Lust auf Schule“: Zielgerichtete Ausbildungsplatzvergabe
Ab 2009 will Matthias Schultze die Vergabe von Ausbildungsstellen noch zielgerichteter und strategischer bewerkstelligen – mit dem CSR-Schülerprojekt „Lust auf Schule in Hannover“, kurz LASIH. Mit Hannover sind dabei sowohl Stadt als auch Region gemeint. Idee dahinter: Der Malerfachbetrieb renoviert kostenfrei zusammen mit Schülern den Klassenraum an einer Gesamt-, Real- oder Haupt-Schule. Schüler, die sich dabei besonders geschickt anstellen, erhalten zunächst ein Praktikumsangebot – und im Fall der Bewährung eine Ausbildungsstelle. So will die Firma Heyse künftig die für sie aufwändigen und ineffektiven Bewerbungsprozeduren umgehen. Das erste LASIH-Projekt startete im Dezember 2008 an der Kooperativen Gesamtschule Hemmingen. Die Übergabe des renovierten Raumes ist für Januar 2009 vorgesehen.
Künftig möchte Matthias Schultze seine neuen Auszubildenden mit Hilfe von LASIH ermitteln. Seine neue Strategie zur Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter erspart ihm aufwändige Bewerbungsverfahren, an deren Ende er doch nicht genau weiß, ob sich die jungen Menschen für den Maler-Beruf eignen. „Wenn ich dann sehe, mit welchem Engagement sich Schüler an der Renovierung eines Klassenraums innerhalb von LASIH beteiligen, kann ich eine Eignung beurteilen“, weiß Matthias Schultze.
LASIH – ein Konzept gegen den Fachkräftemangel
LASIH soll nach der KGS Hemmingen auch im direkten Umfeld des Malerfachbetriebs praktiziert werden: an Schulen in Großburgwedel, Langenhagen, Wedemark und Isernhagen.
Durch die dargestellten Aktivitäten und dabei vor allem durch das LASIH-Projekt möchte der Heyse Malerfachbetrieb mittel- und langfristig seinen Fachkräftemangel im Auszubildenden-Bereich wettmachen.
„Wir wollen mit LASIH die Qualität der potenziellen Bewerber verbessern, um so mit Freude aus den Besten auswählen zu können“, sagt Matthias Schultze. Für ihn bedeutet das: „Jeder gute Auszubildende hat bei uns die Chance auf eine Festanstellung, denn wir wollen langfristig gute Fachbearbeiter gewinnen.“ Die Begründung von Matthias Schultze für seine CSR-Aktivitäten ist einleuchtend: „Über unser Engagement in Kindergärten und Schulen streben wir an, Eltern und Lehrer als neue Kunden im Privatsektor zu gewinnen – und gleichzeitig qualifizierte Auszubildende über das LASIH-Projekt.“
Ein Handwerksbetrieb übernimmt soziale Verantwortung
Der CSR-Bezug zur eigenen Unternehmensstrategie liegt für Matthias Schultze auf der Hand: „Wir integrieren uns in dieser Gesellschaft mit gemeinnützigen Projekten, weil wir uns als Handwerksbetrieb auch in der Verantwortung sehen und Zeichen setzen wollen. Dabei sind wir nicht nur einfach nett – sondern kalkulieren bewusst im Vorfeld den Mehrwert für unser Unternehmen ein. Der fließt an uns zurück über ein höheres Ansehen und neue Kundenschichten.“ Seine CSR-Aktivitäten wie bei den Freiwilligentagen in Garbsen und Hannover sowie beim LASIH-Projekt sind deshalb für den Inhaber des Malerfachbetriebs Heyse auch bewusster Bestandteil einer Wachstums-Strategie für sein Unternehmen.
Effektiv neue Kunden und Mitarbeiter gewinnen
Matthias Schultze verspricht sich mittelfristig einen erhöhten Bekanntheitsgrad durch die Medienberichterstattung über Tätigkeiten, die seine soziale Verantwortung dokumentieren. Ihm ist die Notwendigkeit dafür bewusst. „Wir leben in einer Zeit, in der Produkte und Dienstleistungen immer austauschbarer werden. Über seine CSR-Aktivitäten, kombiniert mit einer professionellen Pressearbeit, will sich der Malerfachbetrieb Heyse vom Wettbewerb unterscheiden. Wir werden so effektiver neue Mitarbeiter und Kunden gewinnen“, sagt Matthias Schultze. Er verfährt dabei nach der Maxime des französischen Philosophen Blaise Pascal (1623 – 1662): „Tue Gutes – und lass‘ andere darüber sprechen.“



